Reconstructing Future

2012 jähren sich zum 40. Mal die Spiele der XX. Olympiade in München. Sie markieren einen Wendepunkt im Umgang mit dem öffentlichen Raum. Was sich als Paradigmenwechsel eines emanzipatorischen Umgangs ankündigte, fand durch das Attentat ein jähes Ende und innenpolitische Hardliner gewannen die Oberhand.
Dieser historische Punkt, an dem plötzlich alles möglich schien, wird durch „Reconstructing Future“ verhandelt.
Als heitere Spiele konzipiert, entwarfen die Spiele der XX. Olympiade ein neues Deutschlandbild, das die Welt die faschistische Inszenierung der Olympischen Spiele 1936 in Berlin vergessen lassen sollte. Das Gesamtkonzept spiegelte sich nicht nur in Architektur und Städteplanung, sondern in jedem Detail des Corporate Design und im Verhaltenskodex des Teams, das die komplexen Abläufe regelte. Kommunikative Vermittlungsstrategien ersetzten ordnungspolitisches Diktat.

Taktiken der Eskalationsvermeidung, ein Code von Handzeichen und der reibungslose Umgang mit Menschenmassen wurden eingeübt. Die Truppe, die potentieller Gewalt mit Bonbonkanonen, Blumensträußen und Dackeln begegnete, sah dazu noch gut aus.
Modedesigner André Courrèges entwarf die Kostüme für 40.000 Mitarbeiter. Basierend auf dem von Otl Aicher entwickelten Farbcode waren die Ordnungskräfte mit himmelblauen Anzüge, weißen Ballonmützen und weißen Stiefeln ausgestattet. Das äußere Erscheinungsbild trug wesentlich zur Schaffung der heiteren Atmosphäre bei.

Zwischen dem 26. August und dem 11. September 2012 tauchten im öffentlichen Raum der Stadt München ein Team von 40 Personen auf. Seine Präsenz ist ein atmosphärischer Eingriff in das Stadtbild.
20 Frauen und 20 Männer waren mit einer zeitgenössischen Interpretation der Courrèges-Outfits von 1972 ausgestattet.
Neben dem Erscheinungsbild wurde auch das Verhaltensrepertoire und die kommunikativen Strategien, die 1972 eine Rolle spielten, reinszeniert. Auf vorgegebenen Routen waren die Akteure durch die Münchner Innenstadt unterwegs, wobei die Protagonisten einander an bestimmten Plätzen begegnen. Choreographien wurden entwickelt. Wiedererkennbare Muster entstanden.
„Reconstructing Future“ verweist einerseits auf den Verlust einer 1972 möglichen Zukunft. Auf der anderen Seite macht sie bewusst, dass die gesellschaftliche Wirklichkeit relativ und verhandelbar ist.